Seit fast 7 Jahren bin ich nun mit meinem Mann zusammen. In dieser Zeit haben wir schon einiges zusammen durchgemacht. Ärger mit den Familien. Geldsorgen, Jobwechsel und das wohl anstrengendste bis jetzt: Hausbau...
All dies haben wir gut gemeistert und das hat unsere Liebe in keinster Weise gemindert. Eher hat es und noch mehr zusammengeschweißt. Wir kennen uns in- und auswendig. All unsere kleinen und großen Macken, die Vorlieben und Dinge, die wir nicht mögen. Mein Mann zum Beispiel mag keinen Schokopudding... wie bitte kann man keinen Schokopudding mögen??? Aber das sind alles Dinge, die kleinen Eigenheiten mit denen wir uns arrangiert haben. Mein Mann kann es zum Beispiel an mir nicht leiden, dass ich das Geschirr immer stapel, wenn die Spülmaschine noch nicht fertig ist (oder wenn sie fertig ist, ich nur keine Lust habe, sie auszuräumen *hihi*). Jedes Mal motzt er rum. Ändern werde ich es wohl niemals. Aber ich lass ihn motzen und er mich stapeln, wenn auch widerwillig.
Doch die Depression ist eine Probe, der wir uns nun stellen müssen. Manchmal werde ich von jetzt auf gleich schrecklich wütend. Und diese Wut lasse ich dann an ihm aus. Ich will das gar nicht, aber in dem Moment setzt mein Hirn einfach aus. Er erduldet es, motzt nicht zurück sondern bleibt ganz ruhig und wartet, bis ich wieder klar bin und mich (meistens umgehend) entschuldige. Er sagt dann immer, dass es schon ok sei, aber ich fühle mich dann immer so schlecht, dass ich fast heulen könnte. Und es manchmal auch mache. Und dann ist er es, der mich in den Arm nimmt und mir immer wieder sagt, dass es ok ist und das er mich liebt.
Es gibt aber auch Punkte, die er nicht nachvollziehen kann.
Zum Beispiel, warum ich es nicht aus eigenem Antrieb schaffe, mal raus zu gehen. Da er den ganzen Tag arbeiten ist, bekommt er den Kampf, den ich morgens mit mir austrage, nicht mit. Er bekommt nicht mit, wenn ich mich zwingen muss aufzustehen, mich zu waschen, mir frische Klamotten an zuziehen oder mir etwas zu essen zu machen. Alles Punkte, die er nicht mitbekommt. Und wenn ich versuche, es ihm zu erklären, blicke ich oft in ein Gesicht, dass mit der Situation nicht so ganz was anfangen kann. Das ist ok. Ich verstehe es ja teilweise selbst nicht.
Doch das Gefühl, dass er mich nicht versteht, nagt an mir. Unterbewusst, weil ich mir immer wieder sage, dass er ja nichts dafür kann. Aber es nagt. Und an ihm nagt es, dass ich seine Hilfestellungen nicht annehmen kann und dann auch noch trotzig werde. Oder ein solch schlechtes Gewissen bekomme, dass ich schon wieder anfangen könnte zu heulen...
Selbst jetzt, wo ich diese Zeilen tippe und mir die vielen Situationen durch den Kopf gehen muss ich mit den Tränen kämpfen.
Ich habe einen wunderbaren Mann, der mich liebt. Ich sage immer, "ich bin beschädigte Ware" und er antwortet IMMER! "NEIN, du bist toll!"
Danke mein liebster, bester, tollster Mann. Ich liebe dich mehr, als Worte sagen und Taten zeigen könnten.
Beziehungen sind manchmal anstrengend, aber aus ihnen kannst du unglaubliche Kraft schöpfen!
Liebe Verena, ich kenne deine Gefühle nur zu gut. Leide seit meiner Kindheit an Depressionen und einer Borderline Persönlichkeitsstörung. Eine Mischung, mit der meine erster und mein zweiter Ehemann nicht klar gekommen sind. Heute habe ich das Glück, einen Partner gefunden zu haben, der mich versteht, da er selbst Borderliner ist. Allerdings in einer anderen Ausprägung, daher ergänzen wir uns wunderbar und kommen im Alltag super klar.
AntwortenLöschenIch kann dir nur den Tipp geben, glaub deinem Mann, wenn er sagt es ist ok und bestraf dich nicht selbst durch schlechte Gedanken. Das macht es etwas leichter. Ich weiß, das hört sich leicht an. Ich arbeite schon seit vielen Jahren an mir und habe noch sehr oft ein Gefühl von Unzulänglichkeit.
Liebe Grüße
Alex