Ach ja, wie ich diesen Satzbeginn liebe... Man weiß eigentlich immer, was dann kommt...
Mal ehrlich, welcher Depressive hat diesen Satz noch nie gehört? Ich bin sicher, du hast deine eigenen Beispiele zu diesem Satzanfang.
Mein Lieblingssatz ist "Ich glaube nicht, dass du depressiv bist, du lachst doch immer so viel und bist immer so fröhlich"...
Ähm... ja? Und das eine schließt das andere kategorisch aus? Der Satz bedeutet doch, dass man nur dann als depressiv anerkannt wird, wenn man überhaupt nicht lacht und niemals fröhlich ist. Was einfach nicht stimmt. Natürlich kann ich noch lachen und ich kann mich auch über Dinge freuen. Aber es gibt Tage, da kann ich mich über nichts freuen, über nichts lachen und mir ist auch nur die Vorstellung, dass es mit doch vor ein paar Tagen noch besser ging, schon unverständlich und das Gefühl so unglaublich weit weg, dass ich es in mir nicht mehr finde.
Ich trage oft genug eine Maske der Fröhlichkeit und des Lachens. Weil es einfacher ist.
Oder auch besonders gut ist: "Ach, das bildest du dir nur ein..."
Bei diesem Satz wären wir wieder beim Blogtitel (und bei dem Gefühl, verarscht zu werden)... Eine Depression ist kein Beinbruch. Einen Beinbruch musst du nicht erklären, du musst dich dafür nicht rechtfertigen (außer das du eventuell einfach ein riesen Tollpatsch bist...). Einen Beinbruch sieht man schon von weitem. Eine Depression ist nicht einfach so zu sehen, du kannst nicht einfach ein Smilie auf den Gips malen und dir dann die lustige (oder weniger lustige) Geschichte anhören, wie man sich das Bein gebrochen hat, das es tierisch weh tut (ich kann das nicht beurteilen, ich hatte noch nie das Bein gebrochen... aber ich hatte mal einen Riss in der Schädeldecke ... Ich hatte eine riesige Beule und tierisch Kopfschmerzen, aber sonst kann ich mich an nichts weiter erinnern...) oder das es unter dem Gips schrecklich juckt... Bei einer Depression gibt es keine lustigen Gespräche, wie es zu der Depression kam (zumindest ist mir keine bekannt...). Der Depressive kann sich über nichts wirklich nachvollziehbares beschweren.Jemand der wenig empathisch ist, oder noch nie in der Situation war (oder beides), kann das nicht verstehen. Zumindest nicht vollends. Und manchmal will es der andere auch nicht verstehen. Aus diversen Gründen...
Das Leben mit einer Depression ist sicher nicht einfach. Aber dumme Sprüche und Unverständnis machen es nur noch schwieriger, wieder zu sich selbst zu finden. Wenn du ein Angehöriger bist, dann stell die Diagnose nicht einfach so in Frage. Hinterfrage, ja. Zeige Interesse. Das ist wichtig und gibt deinem Gegenüber ein Gefühl der Sicherheit, was er gerade wirklich gut gebrauchen kann. Aber einfach zu sagen, dass das nicht sein kann, weil... hilft deinem Gegenüber nicht und kann sein Leid nur noch verschlimmern.
Bist du selbst depressiv, dann schäme dich nicht dafür, dass du krank bist. Würdest du dich schämen, wenn du dir das Bein gebrochen hast (und ganz ehrlich, du würdest dich vielleicht für deine Dummheit schämen, dass es überhaupt dazu gekommen ist, aber für den Beinbruch an sich, wohl eher nicht). Ich weiß, es kostet viel Kraft, die du im Moment vielleicht nicht hast. Aber nur weil andere deine Krankheit nicht sehen können, heißt es nicht, dass du nicht krank bist. Und wenn dich jemand fragt, versuche es ihm zu erklären, wie du dich fühlst. Wenn dein Gegenüber es wirklich ernst meint, dann wird er versuchen, dich zu verstehen.
Und es ist ja auch kein Zustand für immer. Auch wenn du es im Moment nicht glauben kannst, aber du kannst und wirst wieder bessere Tagen haben und der Depression den Rücken kehren!
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