Donnerstag, 30. März 2017

wahre Freunde sind selten, aber es gibt sie!


Ich habe nicht viele Freunde. Habe ich nie gehabt. Das hat verschiedene Gründe.

  1. Ich war schon immer gern allein. Ich bin dabei nicht unglücklich, oder einsam. Ich bin einfach gerne mal nur für mich. 
  2. Ehrlichkeit, Offenheit und Neugierde sind nicht immer gern gesehen. Aber das sind teile meiner Persönlichkeit...
  3. Und ich verliere mein Herz an meine Freunde. Mein Herz wurde schon oft durch Freunde gebrochen und so langsam geht mir der Kleber aus... Ich suche mir meine Freunde also viel besser aus, als früher.

Ich habe genau zwei beste Freunde und die möchte ich dir ganz kurz vorstellen:

Meine beste Freundin kenne ich nun seit 5 Jahren und es war Liebe auf den ersten Blick. Wir sind uns extrem ähnlich, auch wenn sie noch um einiges direkter ist, als ich. Aber wir teilen viele Einstellungen, können über alles reden und uns muss voreinander nichts peinlich sein. Alles in allem, ich liebe diese Frau!

Und ich habe einen besten Freund. Das mit uns beiden hatte von Anfang an eine ganz eigene Dynamik. Wir kennen uns nun seit fast 10 Jahren und unsere Freundschaft ist gewachsen und hat Ausmaße angenommen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Es gibt kaum einen Menschen, der mich besser kennt, dem ich mehr anvertraut habe und der mir mehr bedeutet als dieser Mann. Wir sind uns in vielem uneins und er treibt mich oft, SEHR OFT in den Wahnsinn. Aber ich kann mich immer auf ihn verlassen. Er war es, der mich davon abgehalten hat, den finalen Schritt zu gehen. Er baut mich immer und immer wieder auf. Und das alles, obwohl er dieses "menschliche Theater" nicht leiden kann. Er ist für mich etwas ganz besonderes.

Es gibt noch andere Freunde in meinem Leben:

Eine liebe Freundin habe ich in einer neuen Nachbarin gefunden. Wir haben eine ähnliche Vergangenheit, was sehr prägt und zusammenschweißt. Auch sie ist immer für mich da und sie kann sich immer auf mich verlassen. Doch sie kannte mich nicht, als ich noch nicht depressiv war. Deswegen hat sie einige Schritte nicht mitgemacht.

Schon seit fast 10 Jahren habe ich eine "feste Clique" von Freunden. Wir sind 2 Frauen und 5 Männer. Da wir alle weit auseinander wohnen, sehen wir uns leider sehr selten. Aber wir sind ständig in Kontakt (das Internet machts möglich) und es sind Menschen, die mich akzeptieren, wie ich bist. Keiner von ihnen hat mich in meiner Krankheit allein gelassen. Dumme Sprüche kommen gerne mal. Aber ich weiß immer, dass ich mich auf diese Menschen verlassen kann.

Wenn ich mal wieder ganz nah am Abgrund stehe und mich frage, warum ich das ganze Spiel überhaupt noch mitspiele, sind es diese Charaktere, diese Menschen von denen ich weiß, dass sie mir sowas von in den Arsch treten würden, wenn ich tatsächliche springen würde.  "Ich lerne Voodo, nur um dich zurück zu holen und noch mal zu killen, wenn du dich tatsächlich umbringt" ist ein Zitat meiner besten Freundin... und ehrlich, die macht das! Nicht mal im Tot hätte ich da meine Ruhe... Also, geh ich das Risiko nicht ein :D


Und diese Menschen, diese Freunde helfen mir Tag für Tag, nicht vollends zu verzweifeln, mit meinen Abgründen zurecht zu kommen und aus dem einen oder anderen auch wieder herauszukommen.

DANKE DAS ICH EUCH HABE!

Montag, 27. März 2017

Und BANG... Die Wut ist da

Alter Verwalter... Kennst du das auch? Es ist ein "normaler" Tag. Nicht außergewöhnliches ist passiert. Und dann "BANG" hast du solch eine Wut in dir, das du kaum noch atmen kannst​. Die kleinste Kleinigkeit schlägt Wellen wie ein Tsunami... Mir macht das echt Angst.
Ich war immer ein gefühlskontrollierter Mensch. Wirklich wütend war ich nie. Genervt, ja. Angepisst, durchaus. Aber so wütend, das ich einen metallischen Geschmack im Mund habe und im wahrsten Sinne des Worte rot sehe. Das ist eine komplett neue Erfahrungen... Auf die ich echt hätte verzichten können.
Ich schnaufe vor mich hin und muss so extrem aufpassen, nicht dem ersten, der mir auch nur ansatzweise blöd kommt, mit den nackten Hintern ins Gesicht zu springen... Und ich habe einen gewaltigen Hintern! 

Es sind die kleinen Dinge, die mich auf unerklärliche Weise wütend machen. Ich habe einen besten Freund. Er ist einer der wenigen, die mich wirklich kennen. Und er bedeutet mir unglaublich viel. Aber er schafft es binnen Sekunden, mich in ein  wütendes Rhinozeros zu verwandeln... Ein Glück, dass er so weit weg wohnt. Und der Grund dazu ist manchmal einfach nur, weil er einen Punkt beim Satz vergisst... Ok, das ist übertrieben, trifft aber die Geringfügigkeit genau.

Mein Mann muss manchmal nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein... und er bekommt die volle Breitseite. Ich schnauze ihn an, und weiß nicht mal warum. Er ist das mittlerweile so gewöhnt, das er schon gar nicht mehr reagiert...

Mein "Vorteil" ist, dass ich weiß, wenn ich unfair werde und mich dann auch entschuldigen kann. Nicht immer sofort, aber ich habe mich doch noch so unter Kontrolle, dass ich (bis jetzt) nichts gemacht habe, wofür ich mich schämen (oder die Polizei gerufen werden) musste. 

Ein besonderer Wutfaktor ist meine Familie... die Beziehung ist sehr schwierig und darauf werde ich gesondert eingehen...

Wie gehst du mit dieser Wut um? Hast du "das Problem Wut" überhaupt?


Samstag, 25. März 2017

"Du kannst nicht depressiv sein, weil ..."

Ach ja, wie ich diesen Satzbeginn liebe... Man weiß eigentlich immer, was dann kommt...
Mal ehrlich, welcher Depressive hat diesen Satz noch nie gehört? Ich bin sicher, du hast deine eigenen Beispiele zu diesem Satzanfang.

Mein Lieblingssatz ist "Ich glaube nicht, dass du depressiv bist, du lachst doch immer so viel und bist immer so fröhlich"...
Ähm... ja? Und das eine schließt das andere kategorisch aus? Der Satz bedeutet doch, dass man nur dann als depressiv anerkannt wird, wenn man überhaupt nicht lacht und niemals fröhlich ist. Was einfach nicht stimmt. Natürlich kann ich noch lachen und ich kann mich auch über Dinge freuen. Aber es gibt Tage, da kann ich mich über nichts freuen, über nichts lachen und mir ist auch nur die Vorstellung, dass es mit doch vor ein paar Tagen noch besser ging, schon unverständlich und das Gefühl so unglaublich weit weg, dass ich es in mir nicht mehr finde.
Ich trage oft genug eine Maske der Fröhlichkeit und des Lachens. Weil es einfacher ist.

Oder auch besonders gut ist: "Ach, das bildest du dir nur ein..."
Bei diesem Satz wären wir wieder beim Blogtitel (und bei dem Gefühl, verarscht zu werden)... Eine Depression ist kein Beinbruch. Einen Beinbruch musst du nicht erklären, du musst dich dafür nicht rechtfertigen (außer das du eventuell einfach ein riesen Tollpatsch bist...). Einen Beinbruch sieht man schon von weitem. Eine Depression ist nicht einfach so zu sehen, du kannst nicht einfach ein Smilie auf den Gips malen und dir dann die lustige (oder weniger lustige) Geschichte anhören, wie man sich das Bein gebrochen hat, das es tierisch weh tut (ich kann das nicht beurteilen, ich hatte noch nie das Bein gebrochen... aber ich hatte mal einen Riss in der Schädeldecke ... Ich hatte eine riesige Beule und tierisch Kopfschmerzen, aber sonst kann ich mich an nichts weiter erinnern...) oder das es unter dem Gips schrecklich juckt... Bei einer Depression gibt es  keine lustigen Gespräche, wie es zu der Depression kam (zumindest ist mir keine bekannt...). Der Depressive kann sich über nichts wirklich nachvollziehbares beschweren.Jemand der wenig empathisch ist, oder noch nie in der Situation war (oder beides), kann das nicht verstehen. Zumindest nicht vollends. Und manchmal will es der andere auch nicht verstehen. Aus diversen Gründen...

Das Leben mit einer Depression ist sicher nicht einfach. Aber dumme Sprüche und Unverständnis machen es nur noch schwieriger, wieder zu sich selbst zu finden. Wenn du ein Angehöriger bist, dann stell die Diagnose nicht einfach so in Frage. Hinterfrage, ja. Zeige Interesse. Das ist wichtig und gibt deinem Gegenüber ein Gefühl der Sicherheit, was er gerade wirklich gut gebrauchen kann. Aber einfach zu sagen, dass das nicht sein kann, weil... hilft deinem Gegenüber nicht und kann sein Leid nur noch verschlimmern.
Bist du selbst depressiv, dann schäme dich nicht dafür, dass du krank bist. Würdest du dich schämen, wenn du dir das Bein gebrochen hast (und ganz ehrlich, du würdest dich vielleicht für deine Dummheit schämen, dass es überhaupt dazu gekommen ist, aber für den Beinbruch an sich, wohl eher nicht). Ich weiß, es kostet viel Kraft, die du im Moment vielleicht nicht hast. Aber nur weil andere deine Krankheit nicht sehen können, heißt es nicht, dass du nicht krank bist. Und wenn dich jemand fragt, versuche es ihm zu erklären, wie du dich fühlst. Wenn dein Gegenüber es wirklich ernst meint, dann wird er versuchen, dich zu verstehen.
Und es ist ja auch kein Zustand für immer. Auch wenn du es im Moment nicht glauben kannst, aber du kannst und wirst wieder bessere Tagen haben und der Depression den Rücken kehren!




Donnerstag, 23. März 2017

Was ist ein normaler Tag?

Ist ein normaler Tag, wenn immer das gleiche passiert? Oder etwas, was abzusehen ist? Oder kann ein normaler Tag mehr sein? Ist mein normaler Tag anders als deiner?


Meine Tage laufen meistens gleich (also auch ziemlich langweilig und vorhersehbar) ab. Ich quäle mich aus dem Bett,  Morgentoilette, anziehen, Frühstücken und dann schauen, was der Tag so bringt... Etwas Sport, ein wenig spielen (manchmal auch mehr als ein wenig...), lesen, basteln oder es liegt etwas an, was erledigt werden muss.
Und manchmal, wenn es ein "guter normaler Tag" ist, schaffe ich auch das, was ich mir vorgenommen habe... meistens eher nicht. Dann sitze ich einfach nur rum, um wundere mich, dass es schon so spät geworden ist... ich bin doch eben erst aufgestanden und nun soll es schon 16:00 Uhr sein? Wo ist die Zeit geblieben? Ich habe wieder nichts geleistet. Der Druck, den ich mir selbst mache, weil ich eben nichts mache, ist enorm. Teilweise so schlimm, das ich kaum Luft bekomme. Vorhaltungen bekomme ich nicht. Aber ich mache sie mir selbst... Na komm, so schwer kann es doch nicht sein, mal Wäsche zu waschen, oder das Bad komplett zu putzen und nicht immer nur teilweise... Andere Frauen in meinem Alter schaffen das doch auch.
Aber nein, ich schaffe es nicht. Und dagegen ankämpfen kostet so viel Kraft... Die ich manchmal einfach nicht aufbringen kann.

Mein heutiger Tag begann damit, dass ich wieder kaum geschlafen habe. Grübeln, Angst zu verschlafen, Kopfschmerzen... Keine gute Kombination für einen erholsamen Schlaf...
Ich bin also völlig übermüdet und mit besonders guter Laune aufgestanden. Danach rasch anziehen, waschen, eben alles um aus dem Haus gehen zu können, ohne zu müffeln, oder auszusehen, wie aus dem Bett gefallen (was in meinem Fall ja nicht mal sooo falsch gewesen wäre...) Danach bin ich mit der Bahn zu meinem Abschlussgesprächstermin mit meiner Psychologin gefahren. Sie hat mich (wegen chronischer Migräne) bereits seit vier Jahren behandelt. Heute ist damit Schluss, da sie beschlossen hat, näher an ihrem Wohnort zu arbeiten (was ich nachvollziehen kann, täglich knapp 2 Stunden zur Arbeit ist echt viel). Das Gespräch war wie immer sehr intensiv, heute aber noch mit dem Gefühl des Verlustes und der Trauer begleitet. Nach dem Gespräch haben wir uns mit dem Versprechen verabschiedet, in Kontakt zu bleiben. Das macht es etwas leichter... Auch wenn ich sie wirklich vermissen werde.
Auf dem Rückweg ist, mal wieder, eine Bahn ausgefallen und ich stand über eine halbe Stunde rum, weil keine Durchsage kam... Zum Glück hatte ich ein Buch dabei...
Als ich dann zu hause angekommen bin, war (und bin ich noch immer) total erschöpft. Die vielen Menschen, die lauten Geräusche und keine Möglichkeit einfach zu fliehen und sich zu verkriechen... ja, da muss man durch, schön ist es aber trotzdem nicht...
Der Rest meine Tages ist also normal verlaufen. Gleich werde ich noch Abendessen kochen und etwas Zeit mit meinem Liebsten verbringen. Trotzdem habe ich einfach das miese Gefühl, nicht genug geleistet zu haben... Ein normaler Tag also.


Mittwoch, 22. März 2017

Depression ist kein Beinbruch

Eine Krankheit, die man nicht sehen kann; ist das eine Krankheit? Eine Krankheit, die nicht durch einen Gips, Tabletten oder Salben "geheilt" werden kann; ist das eine Krankheit? Was ist eine Krankheit? Ist Männerschnupfen eine Krankheit? Oder ist ein Hypochonder krank? Ist es schlimmer, wenn man sich ein Bein bricht, oder wenn man eine Depression hat? Darf man das überhaupt fragen? Oder vergleichen?
Wann ist man krank und wann nicht? Und wer entscheidet das? Bin ich nur dann krank, wenn mir jemand sagt, das ich krank bin? Oder wenn man die Krankheit sehen kann? Oder reicht mein Gefühl aus?

Es gibt unzählige Fragen. Wer beantwortet sie? Und wer stellt sie? Was darf man fragen und was nicht? Und was darf man vergleichen? Wer entscheidet, was Richtig und was Falsch ist?

Ich stelle Fragen und versuche, sie zu beantworten. Ob das sinnvoll ist? Keine Ahnung... Aber es geht mir auch nicht darum, sinnvoll zu sein. Es geht darum, eine Krankheit in den Griff zu bekommen, die man nicht sehen kann, die gesellschaftlich noch immer totgeschwiegen wird, oder ins lächerliche gezogen wird. Und wenig Akzeptanz oder Verständnis entgegen gebracht bekommt.

Ich will kein Mitleid und auch keine Anerkennung. Ich will nur zeigen, das eine Depression kein Beinbruch ist. Und die Interpretation dieser Aussage, überlasse ich dir.

Menschen mit Depressionen sind überall. Manche von ihnen kämpfen täglich ums (über)Leben. Andere um Anerkennung. Wieder andere darum, das niemand merkt, wie es ihnen geht. Sie schämen sich, will sie sich schwach fühlen. Sie haben Angst, fühlen sich nicht mehr wohl in ihre Haut. Und vielleicht wissen sie nicht mal, das sie krank sind.

Eine Depression ist kein Beinbruch. Ein Gips hilft nicht und man kann sie nicht sichtbar machen. Sie braucht länger als 6 Wochen, um zu verheilen und manchmal kostet sie mehr als nur Kraft. Sie wird immer Narben zurück lassen, so wie der gebrochene Knochen immer eine Narbe zurück lassen wird. Aber meistens ist sie eine Erfahrung, aus der man gestärkt und mit neuem Wissen heraus kommt.

Hilf mit, das Tabu zu brechen und stehe zu dir und deiner Krankheit. Für ein gebrochenes Bein würdest du doch auch nicht schämen?