Ich hatte heute eine Diskusion mit einem Freund.
Es ging darum, dass ich persönlich es nicht ok finde, sich ein Tier (in diesem Fall einen Hund) anzuschaffen, wenn man den ganzen Tag arbeiten ist und das Tier allein zu Hause ist. Der Hund wird dann von anderen Gassi geführt und man selbst hat nur am Abend Zeit.
Diese Ansicht ist vielleicht etwas eingeschränkt und es gibt sicher Hunde und Halter die damit zurecht kommen. Ich habe einfach andere Erfahrungen gemacht und eine andere persönliche Einstellung dazu.
Er war/ist anderer Ansicht. Was auch völlig ok ist. Ohne andere Meinungen wären wir heute noch in der Steinzeit. Ich habe (in der Regel) kein Problem damit, Menschen ihre Meinung zu lassen und kann trotzdem darüber diskutieren. Für mich ist eine andere Meinung keine Bedrohung und auch kein Weltuntergang. Sie sind notwendig und die Regel.
Was ich aber finde ist, dass jeder dem anderen die gleichen Rechte zugestehen muss. Wenn ich eine andere Meinung habe und du denkst, sie ist falsch, ist das dein gutes Recht. Doch ich habe das gleiche Recht deine Meinung falsch zu finden. Wenn du mich von deiner Meinung überzeugen willst, gib mir das Recht, es ebenfalls zu versuchen.
Die Diskusion wurde so beendet, dass er keine Lust mehr hatte. Sein gutes Recht. Ich persönlich finde es etwas schwach, nur weil man nicht gleicher Meinung ist, die Meinung des anderen zu verteufeln und dann trotzig das Weite zu suchen. Aber jeder geht mit solchen Situationen anders um.
Ja, ich habe schrecklich gerne Recht. Ja, ich versuche meine Meinung zu vertreten und stehe auch für sie ein. Das ist nunmal so. Ich verteufle dich nicht, wenn du anderer Meinung bist. Warum auch? Das ergibt für mich nicht viel Sinn. Und wenn du es schaffst, mich von deiner Meinung zu überzeugen, oder mir darlegst, dass ich Falsch lag, kann ich durchaus (wenn auch Zähneknirschend) zugeben, dass ich im Unrecht war oder bin.
Aber warum geistert mir diese Diskusion nun die ganze Zeit im Kopf rum. Warum habe ich Angst, wie die anderen darauf reagieren? Oder davor, dass sie mich wegen meiner anderen Meinung ausschließen?
Ich hab ein ganz ungutes Gefühl in meiner Brust. Es fühlt sich so an, wie früher. Wenn ich zum Beispiel eine schlechte Note geschrieben habe und dann zu Hause "beichten" musste. Ich habe niemals Schläge für eine schlechte Note bekommen. Ich wurde vielleicht angeschnautzt und wurde gefragt, warum ich nicht mehr gelernt habe, aber es gab nie die Konsequenzen, wie andere aus meiner Klasse sie teilweise über sich ergehen lassen mussten.
Aber was mich immer am meisten Fertig gemacht hatte, war das Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Fehler gehören zum Leben dazu und sie sich wichtig um daraus zu lernen. Aber sie zu machen und andere damit zu enttäuschen, war schon immer schwer für mich. Ich hatte dann immer Angst, dass man mich nicht mehr lieb hat, wenn ich einen Fehler mache. Dass ich dann nicht mehr gut genug bin.
Jetzt habe ich das Gefühl wieder... es fühlt sich ganz schrecklich an. Es tut richtig weh. Warum? Warum fühle ich mich schlecht? Meine Einstellungen und Überzeugungen sagen, dass eine andere Meinung zu haben, nichts schlimmes ist. Warum fühlt es sich dann so schlecht an?